Heller, eigentlich Häller, bzw. Haller

mhd. hallare, haller heller; mnd. haller, heller; tschech. haléř, halíř; poln. halerz; niedersorb. halaŕ
eine kleine Münze (I 1) und wichtige Scheidemünze; seit dem 12. Jh. geprägt, urspr. als eine Pfennigmünze (I) aus Silber, später immer höherer Kupferanteil (daher roter (VIII) Heller) und damit abnehmender Wert; im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus verbreitet; va. im süddt. Raum zusammen mit Gulden und Schilling (II) übliche Rechnungsmünze
Sachhinweis: Schrötter,MünzWB. 259 ff.
I urspr. in Schwäbisch Hall geprägt, wovon sich die Bezeichnung "Haller/Häller" ableitet, lat. hallensis, hallerus; aufgeprägt sind Kreuz und Hand (daher auch Händleinsheller oder Händelpfennig), die Symbole der Stadt Schwäbisch Hall, die auch auf dem Stadtsiegel und -wappen begegnen; bald wird der Heller in verschiedenen Münzstätten hergestellt
II im Wertverhältnis zu anderen Münzeinheiten
  • ie zwen haller für aynen ... phfenninck
    1337 Indersdorf I 70 (nr. 147) Faksimile
  • jo elff heler vor den groschen
    1356 BürgelUB. 219 Faksimile
  • der hellere sullen sie cwelfe vor einen grosen geben
    1364 FreibergUB. II 22 Faksimile
  • mit guten grozen pheningen nicht mit haller gelden
    1367 BrüxStB. 39 Faksimile
  • 18 heller ein thorneß ... 9 heller ein schilling
    1395 Amorbach 222 Faksimile
  • das man slahen sol haller, der 32 geen uff ein Wirczburger lote
    1396 RTA. II 293 Faksimile
  • derselben heller sullen geen uf ein lot virunddrissig
    1407 ArchUFrk. 22 (1874) 100 Faksimile
  • heller derer sollen 64 auf ein loth gehen, und fein silber halten 3 loth
    1549 CAug. II 752 Faksimile
  • [von hellern:] das aller geringste gelt ist der heller, deren zween auff einen pfennig gehen ... vnd ist in der reichs muͤntzordenung den stenden nachgegeben, solche heller nach gelegenheit deß landes zu schlagen, aber doch daß die marck seyn darinne hoͤher nicht als II gulden vnd 15 creutzer außgebracht werde
    1592 Friese,Münzspiegel 130f.
  • auff Cr. wurden heller geschlagen 6 auff einen schilling
    16. Jh. ZWestpreuß. 44 (1902) 163
  • 3 heller ist ein penning
    17. Jh. WestdZ. Korrespondenzblatt 15 (1896) 249
III in größeren Zusammenfassungen
IV in Verbindung mit adj.: alt, neu, jung, gäbe, gänge, genehm, gemein, böse, breit, eitelig, halb
V im Verkehr
V 1 als (Kauf-)Preis
  • sie haben gepoten daz viertail pier um vier heller
    um 1330 BrünnRQ. 366 Faksimile
  • 400 käss der ainer gilttett ... fünff haller und ain haller
    1450 ToggenburgArch. 40
  • item 1 punt breessems 12 haller
    1506 BeitrEssen 20 (1900) 153
V 2 als Abgabe
  • das ain ieder wiert ... dem zehmeister ... geben solle ainen haler
    1235 MCarinth. IV 228
  • N. ... ist schuldik ... aller jerlich czehen grosse pfenninge vnd acht haller
    1337 GlatzGQ. I 61
  • van 2 kalveren 1 haller
    1375 Grafenthal UB. 186
  • da git ein karr ze zoll 4 haller
    1456 Argovia 1 (1860) 156 Faksimile
  • sin landrecht übergäben ... mit vier hallern
    1571 SaanenLschStat. 199 Faksimile
V 3 als Buße
V 3 – als Lösegeld
V 3 – als Verpflegsgeld
  • bleibt [ein Gefangener bei dem Büttel] uber nacht, er gibt dem pütel vierczehen haller
    1400 IglauOberhof 242 Faksimile
V 4 als erlaubter Spielbetrag
  • [Spiele um Geld verboten] eß wäre dan ain ehrliche geselschaft ... die mögen den amman darumb begrießen, der mag alßdann ... erlauben umb 1 hlr. und weiter nit
    1554 WürtLändlRQ. III 117
VI übertragen: Geld überhaupt
VII formelhaft: Heller und Pfennig