handhaft

bdv.: handfangen
I
II handhafte Tat "frische Tat"
bdv.: handhaftig
II 1 Erklärungen der Quellen
  • de hanthafte tâd is dâ, swâr men eynen man mit der tâd begrîphet oder in der vlucht der tâd, oder dûve oder roub in sînen weren hât, dâ her selbe den sluzzel zû dreget
    1224/25 Ssp.(Eckh.) LR. II 35 Textarchiv: SspLR. II 35
II 1 –
  • auff einer offenen müssethat und wie mann gemayniglich zusagen pfleget, auff handhaffter that
    1707 SudetenHGO. Art. 4 § 3 Faksimile
II 2 sonstige
II 2 a im Sachsenspiegel
  • swen men mit der hanthaften tâd vêhit, alse her gevangen wirt, alsô sol men in vor gerichte bringen, unde selbe sebende sol ine der cleger virtzûgen
    1224/25 Ssp.(Eckh.) LR. I 66 § 1 Textarchiv: SspLR. I 66
  • den vervesten man mût men wol bestêdegen binnen bundenen tagen; nicht ne mût men aber uber in richten, dâ ne sî die hanthafte tâd
    1224/25 Ssp.(Eckh.) LR. II 10 § 1 Textarchiv: SspLR. II 10
  • wîph oder magit, die nôt vor gerichte clagit, die sollen clagen mit gerûchte durch de hanthaften tâd unde durch die nôt, die se dâ bewîsen sollen
    1224/25 Ssp.(Eckh.) LR. II 64 § 1 Textarchiv: SspLR. II 64
  • swâr nichên hanthaft dât nis, dâ mût men sunder gerûchte clagen
    1224/25 Ssp.(Eckh.) LR. II 64 § 5 Textarchiv: SspLR. II 64
II 2 a –
  • wundet en man den anderen u. wirt he gevanghen in der hanthaften dat u. vorwunnen ane camp, dat gat eme an de hant
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. II 71 § 1 Var.
II 2 b in anderen Quellen
III
III 1 stark, tapfer
  • acer Turnus der dapfer, grimm, handthaft oder handtvest Turnus
    16. Jh. Straßburg/DWB. IV 2 Sp. 397 Faksimile
III 2
  • handhaft, handvest, der steif auf eim bleibt, firmus accusator
    16. Jh. DWB. IV 2 Sp. 397 Faksimile

Handhaft

I "frische Tat"; diese Bedeutung geht unscharf über in Handhaft (II)
  • bi der man zwene pfaffen hât begriffen an der hanthaft
    1250 Mai-Beaflor 132, 5
  • swen man an der hanthaft begreifet, den sol man fůr gerichte fůren
    1300 Schwsp.Var./WSB. 80 (1875) 350
  • chumt ein manslek ungevangen in sein haus und sein waffen von im tiet, so mag man in fürbaz chainer hanthaft getzeihen
    1340 Bischoff,ÖStR. 195
  • die süllen in mit irn aiden bereden, ez sei dann alz vil daz man in an der hanthaft begreif
    14. Jh. WienerNeustadtStR. Kap. 4 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • der gefangene mann, so er nicht mit handthaft des todtschlagesz überwunden wierdt
    16. Jh. BreslStR. 100 Faksimile
II
II 1 der den Verbrecher überführende Gegenstand
  • daz man nieman sol beswärn den mit rechter kontschaft, ob man sicht die handhaft und der schuldig iechen tut; dennoch ist ze fragent gut, welen tod er liden tut
    1300 Liedersaal I 429
  • [daß er] hiet sô getân hanthaft, dâ mit er den diup wol uberwinten mæcht, daz wær swie hoch oder swie nider daz wær
    1328 Ruprecht(Claußen) Art. 259
  • so man ain schedleichen menschen in der stat uberwinden wil, der nicht hanthaft hat, daz schol geschehen mit siben [Zeugen]
    1376 PettauStR. Art. 162 Volltext
  • schol man in mit geschrei vnd mit solcher hanthaft, die dar zu gehort, bringen an daz statgeriht
    2. Hälfte 14. Jh. (Hs.) BambStR. 40 Faksimile
  • das sie die hanthafft schatzten auf ir aid vnd zu fronrecht
    14. Jh. RegensbFriedg. 81 Faksimile
  • man schol all dewf schäczen, da man lewt mit begreift, daz haizzt hanthaft
    14. Jh. SteirLl. Art. 230 Faksimile (Abschnittsbeginn)
  • ist daz plûtig gewant da, daz ist die hanthaft
    14. Jh. SteirLl. Art. 238 Faksimile
  • dieselben person dem lantrichter antworten an die stat ... mitsambt der dyberei vnd hanthaft
    1427 SPaulUB. 350
  • um 1500 Summa legum 610
  • sol er in an das gericht bringen mit der handhaft
    1512 NÖsterr./ÖW. VIII 70 Faksimile
  • si capti non fuerint cum intersigno, quod in vulgari vocatur hanthafft [deutscher Text: mit einem wrkunde der zaychen, das ist handhaftig] begreiffet man in [den Straßenräuber] on die handhafft, so mus man in mit sieben übersagen
    1610 KärntLHdf. 16 Faksimile
  • hůnerdeup, priteldeup mit der hanthafft, die selb hanthafft sol der fronpot dem deup auf den rikk pinten und gazzen ze gazzen treiben
    oJ. MühldorfStR. 406 Faksimile
  • Graf u.Dietherr 441 Faksimile (2. Aufl.)
II 2 Wahrzeichen, Leibzeichen
  • der richter soll den todten leichnamb [des Ermordeten] beschauen ...; darnach soll der richter ein hanthaft nemben von dem todten leichnamb, darnach sall er ihm urlauben zu der ert
    oJ. NÖsterr./ÖW. VII 474 Faksimile