Leumund, m., vereinzelt f.

mit vielen Nebenformen, ahd. liumunt, mhd. lium(un)t, liunt, liumde ua., mnd. lǖmunt, mnl. lumont
vielfach in Glossen, vgl. AhdGlWB. 381; zur Etymologie vgl. DWB. VI 835 und Kluge²¹ 438
I auf eine Person bezogen: die aus der Meinung anderer resultierende soziale Einschätzung, Ruf, Ansehen
I 1 guter u./od. böser L., ohne Wertung
I 2 mit positiver Wertung (Voraussetzung für die Übernahme von Ämtern, als geschütztes Rechtsgut)
I 3 mit negativer Wertung: üble Nachrede, schlechter Ruf, der sich bis hin zum konkreten Verdacht verdichten kann, wobei dies bei landschädlichen Leuten oder Mehrfachtätern genügt, die Verurteilung durch Übersiebnen ohne die Möglichkeit des Reinigungseides herbeizuführen (vgl. HRG.¹ II 1856f.), andererseits aber unbescholtene Leute sich im Inzichtverfahren durch den Reinigungseid von dem bösen Leumund befreien können
  • swaz in den liument wirt gezogen, der inziht da heizet, der quicket unde reizet ie zer ergeren hant
    um 1210 GottfrStraßb.(Weber) V. 15400 [vgl. Combridge,Tristan² 157ff.]
  • [wer jem. heimlich getötet hat,] si aufugit et fama publica que vulgo loimunt [hier wie Gerücht I?, vgl. HRG. II 1856] dicitur exstiterit ...
    1224 MGConst. II 400 Faksimile
  • hii autem qui in infamia que loimunt dicitur laborant, ad expurgationem non nisi in publico iudicio admittentur
    1224 MGConst. II 400 Faksimile
  • nos Henricus lantgravius secundum famam spoliatoris, que in vulgari lumunt dicitur, ... conquerenti faciemus plenam iusticiam exhiberi
    1265 WestfUB. IV 3 S. 516
  • 1266 WestfUB. IV 3 S. 537
  • hat der vater seiner tochter magtumb [gegenüber dem dies bestreitenden Ehemann] erczeugt, so sol man den man slahen vierczig sleg vnd sol dannoch ir vater vnd ir puͤzen auch den posen levnt, den er in gemachet het
    1295 Schwsp.(Kurzform II/Eckh.) 77 (Kt)
  • um 1310? Wiener Neustadt/Keutgen,Urk. 362 Faksimile
  • einem lantgraven ... zůgehören: ... alles gefunden gůt bi schedlichen lúten, uber die gerichtet wirt oder die den leumden fliehent
    1323 FRBern. V 315 Faksimile
  • 1341/42 WürzbPol. 54
  • haben in die gnade getan ... von unserm chuͤnchlichem gwalt, daz si ainen ieglichen schedlichen menschen, der in ir und des reiches vanchnusse ze Nuͤrenberch chomet mit boͤsen leymunde, uberchomen muͤgen und den leib angewinnen muͤgen
    1347 MGConst. VIII 359 [ebd. 360] Faksimile
  • 1351 ErfurtZuchtbf. 121 Faksimile
  • daz sie alle schedliche leute, mortbrenner, rauber, diebe ..., die der merer teil des rates ... nach lewnte erkennen ..., sullen ... umb ire missetat sulchen tod anlegen
    1360 UlmUB. II 2 S. 524
  • er sich dezselben lewmunts und inziht entslahen schölt mit sein ainshant mit dem ayde
    1379 SchrrBayrLG. 69 S. 86
  • 1379 WürtGQ. VIII 94
  • daz ... der lugemunt, darumbe er gefangen worde, nit große were
    1386 HeidelbUnivUB. I 12 Faksimile
  • wer auch, daz si iemant begriffen mit warnder tat oder der posen lewmunt dez landes auf ym hiet, ... die selben sullen si antwurten mit dem leib unser stat
    1392 MünchenStR.(Dirr) 567 Faksimile
  • [daß d. Stadt] und die iren alle ... lute, die in bosem lewmden oder in argewan sind und die in fur schedlich lute dargeben werden, ... fohen und rechtvertigen mugen
    1398 EßlingenUB. II 372
  • vmb alle leymunt vnd intziht schol man von in freuntlich recht erteyllen czu nemen. vnd welcher darvmb entspricht, dem schol man vrkunde von gericht darvber geben ..., das er darvmb furbaß sicher sey
    Ende 14. Jh. BambStR.(Parigger) 61
  • 14. Jh. Zallinger,Landschädl. 220
  • von args lümden vnd böser getaͤt wegen in vanknuss komen
    1400 VorarlbWB. II 276
  • wir wollen awch nicht, daz yemand, der bosen lewmunt hat, czu schepfen gesaczt werde
    1406/07 ZMährSchles. 7 (1903) 211
  • 1408 Luzern (Kt.)/GrW. IV 388 Faksimile
  • 1408 Kempten/Lünig,CJFeud. I 1172 Faksimile
  • 1413/40 RavensburgStR. 130
  • ein lunemundt wer obir sie geschreben und geredt
    1416 HanseRez. VI 258 Faksimile
  • 1428 Wetterau/GrW. III 501f. Faksimile
  • 1429 IsnyStR. 205
  • daß ... dehein person ... in einen soͤlichen ofnen boͤsen und argwonigen lúmbden oder gezigde vallen ... wurd, darumb dieselb person an lib oder an leben ze straffende were
    1450 Tschudi,ChrHelv. II 539 [ebd. 540] Faksimile
  • um 1450 DuderstadtUB. 238 Faksimile
  • weerde en die stede, die van bösen lumonden zijn, die zolen si vermiden
    um 1450 MnlWB. IV 883
  • nach der fryheit sag, so unser herren und statt von Lutzern von römischen keisern und kungen hand, das si wol mugend uff ein lümden richten und eines von dem leben zu dem tod urteilen und bekennen
    1454 Luzern/Hansen,QHexen 565
  • H.R. ... will rechten vor ein leumuth vnnd inzucht, der von A.S. vnd jhrer mutter ... auff jn gehe, daß er die ... A. genoͤtiget vnd genothzůchtigt soll haben. das hab er nicht gethan
    1460? Meichsner,Dec. IV 223
  • [H.S.] hat sich mit seinem eide eins lewmunds benomen, wie er durch die L. gebrudere ... beschuldigt worden, das er sie ... solle dargeben und verraten haben
    1466 Fr. Merzbacher, Iudicium Provinciale Ducatus Franconiae (1956) 151 [ebd. weitere Belege]
  • [d.] richter ... keinen leimuet rugen sollen, sie wißen dan der sachen einen gantzen grundt oder haben ihr aiedtgenossen zween ..., die daz gesehen oder gehört haben
    1466 Neckargemünd 609 Faksimile
  • vier cristen menschin ... von den iuden czu E. ... ermordt worden sind. deczhalb ein limott uff dy selben iuden gefallen
    1470 ZGO. 41 (1887) 313
  • 1478 Hornschuch,Keßler. 325 Anm.
  • um 1480 SchweizArchVk. 3 (1899) 85
  • kompt einer fur landgericht, der eins leimantz und inzicht beschuldigt wurd, onbunden und ongefangen, der mag ein fursprechen nemen und im reden lassen, er werd des oder des beschuldigt, das hab er nicht gethon ...; sol erkant werden, das man im ein kündbrieff geb in die pfarr, darin solcher leimat auff in erschollen sei. solchen brieff sol ein landpott dahin tragen und den auff offner cantzell lassen verkunden, und des brieffs inhalt sol sten, das der Hans oder Cuntz, der solichs beschuldigt werd, der wol sein recht vor dem landgericht darfur thün auff den tag; wer das sehen oder horen woll, der müg es thun
    um 1480 Eyb,NürnbLG. 72
  • 1482 EidgAbsch. III 1 S. 113
  • kömpt ein person, dorauf ein übel gerüchte und lewmund erhollen ist, ... ungefangen für den richter und offenwart im denselben lewmund, pewt sein unschulde und pit ine umb tage und recht, doran er sich des lewmunds benemen wölle ..., des ist der richter pflichtig ...
    15. Jh. BayreuthStB.¹ 344 Faksimile
  • 1503 BambLGRef. [10]f. Volltext (und Faksimile)
  • sol man erfarung haben nach den ... argkwenigen vmbstenden ... erstlich, ob der verdacht ein soliche verwegne oder leichtvertige person von poͤsem leuͤmat vnd gerucht sey, das man sich der missetat zu ir versehen moͤge
    1507 BambHGO. Art. 32 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1507
  • sol soͤlcher boser lewmat nit von veinhden ..., sunder von vnparteilichen, redlichen leuten komen
    1507 BambHGO. Art. 32 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1507
  • ob sich jemands sich eins leumunts entschuldigen ... wolt, soll der landtknecht die hailigen schicken
    1523 FrkBauernW. 74
  • wo aber die thaͧtt nit offenbar, sunder ein starker lumbden ist alls mit offenlichem oder heimlichem argwoͤnigen zůgang, daraͧb ein naͧchpurschaft verletzt wurde, soͤllent die verletzten ... sollichs den eerichtern anzoͤugen
    1529 BernStR. VI 1 S. 385 Faksimile
  • einer vbelthat durch gemeynen leymuth berüchtiget
    1532 CCC. Art. 6 Volltext (und Faksimile), Ausgabe von 1533
  • 1533 NÖsterr./ÖW. VIII 231 Faksimile
  • 1546/61 Boxberg 790 Faksimile
  • die klagendt parthei den verdacht durch gnugsam anzeyg oder eyn gerücht, leumuth oder aber durch eynen zeugen ... anzeygt
    1555 RKGO.(Laufs) 187
  • eygentlich entspringet ein leumut auß eim vngewissen angeber vnd allein auß argwon vnd verdacht. vnd ein leumut odder argwoͤnigkeyt gebiret kein bewerung von jhm selbs allein
    TeutschForm. 1571 Bl. 53r f. Faksimile
  • soll solcher boͤser leumuth nicht von feinden oder leichtfertigen leuten, sondern von unpartheyischen redlichen leuten herkommen
    1583 HadelnLR.(Pufendorf) V 2
  • BadLR. 1588 V 2 § 5
  • 16. Jh. FrkZentb. 164f.
  • 1617/1748 ZSchweizR. 12 (1864) RQ. 143
  • die jenigen persohnen, so vbelthaten halben verleumbdet, beschreiet vnd beruͤchtiget, sich deß leumuths an vnserm landgericht benemmen vnd purgieren moͤgen
    FrkLGO. 1619 II 2 § 6 Faksimile
  • 1637 BaselRQ. I 1 S. 517 Faksimile
  • keiner feil habe, noch in die [kraͤmer-]bruderschafft auffgenommen werde, der einen boͤsen leuͤmuth [hat], er habe dann seine unschuld durch rechtliche erkandtnuß beygebracht
    1715 BadLO. 155 Faksimile
  • 1761 BernStR. VII 2 S. 988 Faksimile
II gemeiner, offener, hergebrachter L. fama publica, allgemeines Wissen, auf das man sich berufen kann
bdv.: Ruf (V)
  • gemayner leumund und stymme ... gewesen ist ..., das man sy hab gehabt für aigen leute
    1366 NeustiftUB. 296 Faksimile
  • ist och das ain gemain wort vnd offner lúnd, das die gemelten gúter in den grenitzen ... der lantuogty seyn gelegen
    1483 FürstenbUB. VII 162 Faksimile
  • 1485 ZFerd.³ 34 (1890) 18
  • ob der antwurter laugnet, wie der clager das ... erwiesen sol ... durch laÿmden, das ist famam, als mit nachpauren vnn gemeÿnem ruff, nit mit haußvolk
    1490 Ordn.u.Underw. 27 Faksimile
  • ein offenbarer leymuth ..., daß Regensburg dem reiche verwandt
    1493 BairLT. XI 363
  • bewysung [muogen] gescheen ... durch einen offenbaren lymůt so ein gezüg oder sust halb genůgsam bewysung da ist
    1498 WormsRef. III 3, 1 § 1 Volltext (und Faksimile)
  • beweisung ... durch ainen offennbarn leymat vnd gemain geruͤeff vnd geschray
    1520 BairGO. 48v Volltext (und Faksimile)
  • [zu] einem leumuthe oder gemeinen geschrey, so in malefitz sachen zu einer beweisung ... angezogen wil werden, ... gehoͤret noch viel darzu, daß ein solches geschrey, fama publica, ... glaubwirdig gemacht werde
    1565 TheatrdeVenef. 381 Faksimile
III formelhaft: eine Wahrheit für eine Wahrheit, einen L. für einen L. rügen eine erwiesene Tatsache im Rügeverfahren vom unbewiesenen Gerücht trennen
  • die aitsberen haben auch erfunden, was für chumpt von unzucht begen, das in dem gericht geschache, ein iglicher aitsbere in seiner techenei, als ez in für bracht wirt, ain wörheit für ein wörheit, ain leumutt für ain leumutt
    1380 Tirol/ÖW. V 28 [weitere synonyme Formeln vgl. ebd. 1180 s.v. Wahrheit] Faksimile
  • gebot der ... schultheisz den scheffen, daz sie rugeten, waz rugber were, eine warheid für ein warheid, einen lumunt für einen lumunt
    1387 Stockstadt/GrW. VI 391 Faksimile
  • 1394 Franken/GrW. VI 72 Faksimile
  • daz man elliu jare geding haben sol, darumb git man iuch allen uff iuwer eide, daz ir ruͤgen sullent ein warheit fúr ein warheit, ein lúmden fúr ein lúmden
    1424 Wimpfen 94 Faksimile
  • sal ein yeder zenth schopffe ... rugen ein warheyt für ein warheit, ein lewmat für ein lewmat, nemlich dipstal, mordtgeschrey, flissende wunden, vnd das ere vnd glimpff andreffe
    1425 Franken/GrW. III 531 Faksimile
  • der ertzprister in [scheffen] gibt uff die eide zu rugen ein lůmat vor ein lümüt, ein warheit vor ein warheit
    1440/59 Miltenberg 342 Faksimile
  • 1457? Meichsner,Dec. IV 241
  • Mitte 16. Jh. Amorbach 1087 Faksimile
  • die zentundertanen ... ein wahrheit fur ein wahrheit, ein leimut fur ein leimut ... zu rugen schuldig seyn, ... under dem wörtlein wahrheit die taten und under dem wort leimut der böße bezicht der taten, die wie gemeiniglich alle schmeh- und scheltwort sich im wort nicht befinden, zu verstehen seyn
    1602 EberbMosbW. 24
  • 1687 Tirol/ÖW. V 18 Faksimile