1Meinung, f.

Ansicht, Auffassung, persönliche Stellungnahme, die je nach der Rechtsstellung oder dem Autoritätsgrad der Person und der konkreten Rechtssituation folgende Bedeutungen erhalten kann:
vgl. 2meinen
I Absicht, Intention, Bestreben; Plan, Vorhaben; bei größerer Autorität der Person: (erklärter) Wille, Forderung
II letzter Wille, Testament
  • wan ainem jeglichen menschen nicht so wol zimbt, dan das die obrist mainung ires willens frei sei, geschaft und die lesten willen ze volfueren
    1331 ZBayrLG. 18 (1955) 307
  • wo eyn man so eyn gut weg scheiden wil, do sal er nemen by sinem gesunden libe kegenwertig siben mannen, den er sine meynunge bevelen sal, unde sinen rechten erben das ouch bevelen; so hat is craft
    Ende 14. Jh. GlWeichb. 388 Faksimile
  • unser letzten willen und meinung
    1530 ZRG.² Germ. 1 (1880) 133 Anm. Faksimile
  • 1640 FreibDiözArch.² 5 (1904) 195
III Inhalt eines Rechtstextes als Ausdruck des erklärten Willens des Verfassers; Anordnung, Vorschrift
IV rechtliches Anliegen, Beschwerde, Vorbringen vor Gericht, Klage, Forderung
V Entscheidung, Beschluß, Urteil
  • ende sijn meininghe seide aldaer, op deen point voeren, ende op dander naer
    1432 Willems,Brab. II 73
  • das ich [amptman] ... entscheiden hab vf meynung wie volgt
    1517 MittOsterland 6 (1863/66) 257 Faksimile
  • meyninghe ... arbitrium, sententia
    1632 Kilian
VI Bedeutung, Rechtssinn, Rechtsaussage
VII Ursache, Beweggrund
  • áber dóh tû neuuízîst uuáz tíu méinunga[lat.: sed tu quamuis ignores causam]
    um 1000 Notker I 269 Faksimile
VIII Auffassung, Ansicht, Einstellung zu einer Sache; in gesteigerter Form als Überzeugung; in Rechtsgremien als Votum, Urteil
  • da sy der gerichtsherren meynunge, daz er des nit getan habe
    1429 Erler,Ingelh. III 225
  • were ein recht, dat capittell, manschup vnnd stede nicht findenn konden, dat dar de meiste meinung nicht inne auer ein drogenn, dat recht schall de ertzbißchup vindenn
    2. Hälfte 15. Jh. BremLGProt. 12 Faksimile
  • euern gnaden geben wir hiemit dienstlicher meynung zu erkennen
    1567 Moser,KreisAbsch. I 485 Faksimile
  • die gerichtzheimligkeiten aber, alß meinungen und vota des richters, borchmänner und geschwornen
    1578 Engelke,GogerichtDesum 71 Faksimile
  • wenn man zweyich ist in einer meinung, das man stimmet, gelten allen stimmen gleich
    1613 Stieda-Mettig 337 Faksimile
  • NÖLGO. 1656(CAustr.) Art. 41 § 4 Faksimile
  • gutachtliche meynung
    1707 SudetenHGO. S. 41 Faksimile
  • die possessio oder besitzung ist ein recht eine sach innzuhaben mit solchem gemuͤth und meinung, daß sie ihme zu stehe
    1709 Mutach 87 Faksimile
  • wenn einige der gegenwärtigen ihre meinung nicht äußern wollen, so wird die mehrheit nach der zahl der übrigen gegenwärtigen gerechnet
    1772 Pufendorf,HannovLREntw. Tit. 52 § 8
  • auf meinungen der rechtslehrer, oder ältere aussprüche der richter, soll, bey künftigen entscheidungen, keine rücksicht genommen werden
    1794 PreußALR. Einl. § 6
  • zum gewohnheitsrechte [wird] erfordert die öffentliche meinung, dass jenes princip, wornach die handlungen eingerichtet werden, allgemeine norm sei
    1804 Gönner,StaatsR. 459 Faksimile
IX Art und Weise