Deutsches Rechtswörterbuch (DRW): siebente/1Siebente/2Siebente

siebente

, num., siebte, num.

die Ordinalzahl

I siebenter (Heer-)Schild siebte und damit unterste Stufe der Lehnsfähigkeit in der Lehnshierarchie va. des Sachsenspiegels
  • dat de herscilt an deme koninge begint unde in deme sevenden lendet. doch hebben de leien vorsten den sesten scilt in den sevenden bracht, sint se worden der biscope man, des er nicht ne was
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. I
  • dy leihenfursten haben aber den sechsten schilt in den sibenden bracht, sind das sy der pischoff man worden sin. und also der herschilt czuget an dem sibenden, also czuget dy sippe an dem sybenden 
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) I 3
II im Lehnrecht: siebente Hand siebte Stufe der Weiterverleihung eines Lehens; in die siebente Hand leihen als sechstes Unterlehen verleihen
  • swe (so) egen to lene hevet, dar n'is nen volge an. doch geit de lenunge bit an de sevende hant, alse ander len des rikes gut is
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)Lehnr. Art. 71 § 1
  • ez mac also geshehen daz ein lehen gelihen ist von einem man zem andern vnd von hant ze handen. ir shult wizzent. als manc hershilt ist als ofte leihet ein man dem anderen gut. des mag ie ein man dem anderen leihen vnz in die sechsten hant. vnd leihet abr ein herre daz in die sibenden hant daz ist allez stet als hie uor geshriben stet
    nach 1280 Schwsp.(Langform M) Lehnr. Art. 55
III bei der Beweisführung mit einer festgelegten Anzahl von Eidhelfern: etwas mit der siebenten Hand beweisen etwas selbsiebt bezeugen
  • dat he solches mit der sevenden handt mit noegehaftige tuege, de vuldoen konen, nha landrecht schal bewisen
    1448 OstfriesUB. I 529
IV siebente 1Sippe (IV)/siebenter Grad siebter Grad der Verwandtschaft; in der figürlichen Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse nach dem Gliederbild: siebentes (G)lied siebter und damit letzter Grad der erbberechtigenden Verwandtschaft mit einem Erblasser
  • an deme sevenden [lede des middelsten vingeres] steit en nagel unde nicht en let, dar umme lendet dar de sibbe unde hetet nagelmage
    1224/35 Ssp.(Eckh.2)LR. I 3 § 3
  • ez erbet ein iegelih man sinen mag. vnz an die sibenden sippe zal
    um 1275 Schwsp.(Langform Z) LR. Art. (L.) 3
  • es ensol kain man kain urteil spraechen uber sinen mak, diu im an sinen lip gat oder an siniu ewaerck unz an diu sibenden sippe
    1276 AugsbStR. Art. 67
  • also erbet man alleweg vor sich uff den nesten ... doch haben dy Swoben von keiser kur und volbort behalden, das sy erben uber dy sybende sippe also verre, als sy ymer (ge)reichen mugen ire sippe
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) I 4
  • von wibes halben enmac kein man vormunde gesin, ab wol dy sippe sich under wilen neher yn czucket, sundern er volget als des vater swertmag biz an dy sybende syppe. aber in swebischer art als verre als man ymmer gereiten mag; und ist lantrecht, wicpilde und keyserwicpilde
    1357/87 MeißenRB.(Oppitz) I 46 Dist. 4
  • get er aber ab ân geschaͤft, die nachsten erben schullen daz guͤt erben ... und mugen die selben erben geraichen untz in die sibend sipp
    1376 PettauStR. Art. 160
  • wen dat jar verlopen is un ken arve sick angibt, scall de erfschafft der herschop gelefert werden. et schall äverst sodann de ervschafft übern savenden grad averantwortet werden
    vor 1558 SchwerinStR. 284
  • personen, die zu gezeugen nicht moͤgen im rechten gedrungen werden: ... alle, die in dem siebenden grade sein des gebluͤts
    1561 Rotschitz 47
V
siebente Geburt letzte der 2sieben (IX) Geburten 
  • der gebort, der sint sybin. dy erste heischit eyn fry eliche gebord ... di andir gebord heischit eyn slecht eliche gebort ... dy derte gebord heissit eyn elich eygin gebort ... dy ferde gebort heissit eyn naturliche elich gebort ... dy funffte gebort heissit eyn gemachte eliche gebort ... di sechste gebord heissit eyn naturlich unelich gebord ... dy sybinde gebord heissit eyn kebiz adir vorworffene gebort
    Ende 14. Jh. EisenachRB.(Rondi) I 1 § 1
VI siebenter Teil, siebente Garbe (uä.) Abgabe vom Umfang eines Siebenteils (I) eines erwirtschafteten Ertrags
bdv.: Medem (II)
  • so ligent vur deme yder kurtzebusche, dar off mag ycliche gemeyne man gan roiden vmbe dat siebende deile
    1315 Untermosel/GrW. II 355
  • wer vff dem gemeinwerch buwet, der sol dem vorster geben den sibenden teil
    Ende 14. Jh. ArgauLsch. I 467
  • daß von uns als landsfuͤrsten ain rechter erbstoll empfangen, und nach berckwercks-rechten gearbait werde: und welchen pau er in nutz arbaiten wurdet, es sey zu weter, lufft oder wasser nemen; dieselben sullen dauon daß sibennd kuͤbel geben
    1477 SalzbBergO.(Lori) 108
  • wass der man darauff gewinnet, gebühret dem gerichtsherren die siebendt garbe, alss dem grundtherren
    1507 Untermosel/GrW. II 392
  • solt ein jeder ... infahren binnen der freyheit B., sein brodt zu gewinnen undt davon dem heren die siebente garb zu geben
    1557 LuxembW.(Majerus) I 422
  • wann er dann die acker auf medumb aussehen will, so soll er die acker gut und böss sähen, und soll dem [Erben] dann von den ackeren, so er quittiret und ihm gebühren, wen der zehente heraus ist, dass siebente theil die drey saaten geben
    1596 Breidenbach 87
  • wan ein man zu R. in dem S. roden wolt, so soll er mit dem closter reden. möcht er dann nit mit dem closter uberkommen, so mage er dannocht in dem walt roiden und dem closter das siebent seil foll davon geben
    oJ. Pfalz/GrW. V 619
VII siebentes Geld hier: Wergeld für einen Priester, der die siebte geistliche Weihe hat
VIII siebente Stunde sieben Uhr; morgens als Zeitpunkt der Eröffnung des Marktes (I) 
  • vnde setteden in juwlyker straten twe hovetlude, de dat volk vorbadeden des sonnenavendes yn der nacht na der sevenden stunde
    1384 LübChr. II 351
  • werckh- undt opßmarckht ... sollen ... umb die sybende stund angohn
    1673 SGallenStB. II 339
IX siebenter Tag hier verkürzt: Gebühr für die zweite Seelmesse am siebten Tag nach der Beerdigung eines Verstorbenen
  • als di prester clageth op den huusman om den sauwenda dei, deer hi sciuldich is to iaen [wenn ein Priester gegen einen Hausmann Klage erhebt wegen (Gebühren für) Seelenmessen an jedem siebenten Tage nach der Beerdigung eines Verstorbenen, die jener (ihm) entrichten soll] 
    10. Jh.? (Hs. 1464) WesterlauwersR. I 184
X siebenter Monat einer Schwangerschaft; als Zeitpunkt, ab dem volles Wergeld bei der Verletzung des ungeborenen Kindes entrichtet werden muss
  • andere bernis berde tuene monathar nen ield, ... anda fifta and anda sexta monathe en half ield; anda sogenda en hel ield [bei (Verletzungen während) der Schwangerschaft (ist für) die beiden ersten Monate kein Wergeld (zu zahlen), ... in dem fünften und sechsten Monat ein halbes Wergeld, im siebenten ein volles Wergeld] 
    Ende 13. Jh. BrokmerR. 112
  • an tha sexta ande sogenda monada, sa meit ful kuma, to ene fulla ield to ieldane [im sechsten und siebenten Monat kann es [das Kind] ausgetragen werden, (dann hat man das) mit einem vollen Wergeld zu büßen] 
    1. Hälfte 15. Jh. FivelgoR. 134
XI siebentes Jahr Jahr der Freilassung eines christlichen Sklaven nach sechs Jahren Dienst
  • gif hwa gebycgge cristenne þeow, vi gear ðeowige he; ðy siofoðan beo he frioh orceapunga [wenn jemand einen christlichen Sklaven kauft, diene dieser als Sklave 6 Jahre; im siebenten sei er frei ohne Lösegeld] 
    892/93? (Hs. um 1100) Liebermann,AgsG. Af El. 11
XII siebente Welt in der Rezeption der christlichen Kosmologie des Origenes das Zeitalter des Menschen nach der Offenbarung Gottes; hier: als Erklärungsmodell für die Heerschildordnung, die analog zu den sieben Welten sieben Grade der Lehnsfähigkeit umfasst
  • nu is uns kündich von der heiligen scrift, dat an Adame de irste werlt began; an Noe de andere ... an godes geborde de seste; in der sevenden si we nu sunder gewisse tale
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. I 3 § 1
  • alse de kristenheit in der sevenden werlt nene stedicheit ne weit, wo lange se stan sole, also ne weit man ok an dem sevenden [Bed. I] scilde, of he lenrecht oder herschilt hebben moge
    1224/35 (Hs. 1369) SspLR. I 3 § 2
  • reht ze glicher wis als man nit enweiz wenne div sibende welt ein ende hat. also weiz man nit ob der sibende [Bed. I] hershilt lehen mvge haben oder niht
    um 1275 Schwsp.(Langform Z) LR. Art. (L.) 2
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1Siebente

, m.

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I mit sieben Schöffen besetztes Gericht; als Dorfgericht (II) oder Landgericht (I), auch Gericht für das Flur- und Grenzwesen; meton. die Gerichtsversammlung
bdv.: 1Sieben (I)
  • vmme diu ků zu B., des důnket vns recht, daz man wider far an diu lute, die den sibenden besaͤzen, hant diu das schenke E. han geteilet, so genuzit ers billiche, ist des nit, so gitman ime daz rint billiche wider
    1324 Simon,Erbach Urk. 25
  • wann ez were, das man ein sibenden haben solte, ... den sibenden sal eins apts schultesz gebieten, und sal auch der [den] stab an dem sibenden in der hant haben
    1395 Franken/GrW. VI 7
  • wann es not geschee, das man einen sibenden haben solt ... so solt doch nimants den sibenden hegen, gebieten oder freger sein dan allein eins apts schultes
    1413 Alemannia 27 (1900) 9
  • die lantsiedele do selbst eynmuͤtiglichen uff ir eyde an eim follen gehegten sibenden geweist vnd zu dem rechten gesprochen haben, das ein iglicher apte zu Amorbach ... die recht vnd fryheit haben zu V., wann ein bestheupt fellig werde ... das solle eyn apte vnd syn closter zyhen
    1435 Alemannia 31 (1903) 230
  • sint die armen lude uff dem siebenden zu L. das recht zu wysen nit wyse gewest ... vnd haben die selben sache fur vns an das lantgericht ... geczogen
    1462 Alemannia 31 (1903) 194
  • sol aber sitzen der lantrichter auf dem marichstain und richt [ain deup] mit dem sibenten auf dem marichstain
    15. Jh. NÖsterr./ÖW. XI 416
II wie Siebenzeuge 
  • soe en sal niemant soevende off gever wesen van dyk ... hij en heeft synen eygen erve beseten jaar ende dagh
    1410 Gierke,DeichR. II 554
III bei der Beweisführung mit sechs Eidhelfern: mit sich Siebentem bzw. er sich selbst der Siebente wie selbsiebt 
  • swelich man mit dhuve besproken wert, vnde versont, vnde wider gift, de en bisprake man is, de mot to deme ersten male wol vntgan mit sines enes hant, dar na mit sich seuendeme, vnde to deme dridden male mit deme ordele
    1227 BrschwStR. § 28
  • sprecma thene rediewa on vmbe tha lessa meyde ief vmbe tha marra, sa vndgungere mith sex monnum vnder tha forma and vnder tha other berninghe, and hi se selva thi soginda [klagt man den Redjeven wegen (der Annahme) eines kleineren oder größeren Geschenkes an, so entgehe er (der Klage) mit sechs Männern aus der ersten und der zweiten Vetternschaft, und er selbst sei der siebente] 
    Ende 13. Jh. BrokmerR. 20
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2Siebente

, m., auch n. (Bed. II)

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I siebter Tag nach einer Beisetzung; häufig auch: (zweite) Seelmesse an diesem Tag, auch iVm. einer privaten Festlichkeit; der Tag nach dem Siebenten ist der früheste Termin für gerichtliche Nachlassauseinandersetzungen
  • zem sibentem nnd [!] zem jârtage, und ze der bevilde, solt man wesen milde, mit opfer und mit sêlgeræt
    Ende 13. Jh. Helbl. VII V. 76
  • vnser selgeræt, daz si daz ewichlichen begen svͦln ... alle iar driv iarzeit, mit drin sibenten, vnd mit drin drizzigsten
    1307 MZoll. II 296
  • die selben wiener phenninge sol man geben von der vigilye vnd von der selmesse ze dem ersten, vnd zu dem sibenten, vnd zu dem dreizzigisten
    1346 KlosterneubStiftUB. I 310
  • swenn ein man ... gestorben ist, so sol man seinen erben nicht fuͤrgepieten, pis daz der sibent fuͤr chuͤmt. und swann der verget, so sol man dez naechsten tagez fuͤrpieten nach rechtz zeit
    um 1365 MünchenStR.(Dirr) 381
  • es sol och niement ze kainer hohzit noch ze kainer grebt, ze sibent, ze drisgost noch ze kainer jarzit nit fuͤro messun noch ophren won ze aim altar
    1382 LeutkirchStR. 82
  • man sol auch fuͤrbaz dheinen jartag noh sibenden noch dreisigsten niemand begeren, weder mit laͤwten, mit vigili noh mit opfer
    1383 MünchenStR.(Dirr) 587
  • wanne iemants wil ein liche begen ader ein siebenden, ein drißigen ader ein jargezit, daz die nit me dann zwolf menschen zu solichen begengnisse bidden sullent
    Mitte 15. Jh. MainzChr. I 54
  • ietz richten vnsere pfaffen viel iartag, sibenden, dreissigsten an, vil meßfrummen, da muß man ymmer gelt geben
    1524 Eberlin v.Günzburg III 176
  • sollend mine herren und mitbrüder uf dem stifft ... den lybfal, sibenden und dryssigisten begen
    um 1530 PforzheimUrk. 38
  • wann ein nahmhaffter gestorben ist, dem man ein sibenden oder dreysigist hat wellen begehen, so hat man ihn vor verkhündt durch ein helffer an der canzel
    nach 1531 FreibDiözArch. 19 (1887) 172
  • begebe sich auch, das einem sein vatter, mutter ... mitt dodt abgiengen, der mag den sybenden uß wol nitt zu rath gan und darumben nichtz geben noch nemmen
    1561 SchlettstStR. 840
  • war ... dass ihrer [chorherrn und ihre vicarii und capellan] einer abgieng ohne geschaft, desselben gut soll sich niemand unterwinden dann die chorherrn. und da sollen sie ... den leichnam ehrbarlich zur erd bestatten mit den ersten, mit den siebenten und mit den dreizigsten
    16. Jh. NÖsterr./ÖW. IX 805
  • soll desselbigen abgestorbnen namen ..., besonderbare grept, sibent und drißigist durch den [pfarrherren verkündt werden]
    1623 SchweizArchVk. 17 (1913) 242
II
der siebte Teil von einem erwirtschafteten Ertrag, als Abgabe; im Bergbau: der nach Abzug des landesherrlichen Zehnten verbleibende siebte Teil der abgebauten Mineralien, den der Besitzer einer Grube dem Betreiber eines Erbstollens zu entrichten hat, Stollensiebter
  • di tiffen lehen habent unser urbarer bestalt und czihen das wasser in den stollen. von den lehen wolde der stollemeister ein subendes haben
    1325/60 Zycha,BöhmBgr. II 441
  • dass das sibente sall gehen vur dem zehenden und nit in den zehenden zu rechen, darum weist der scheffen, das meins hern bude von sant Martein, das sibenthumb zu heben, sal naer bei der hecken stain dan die zehenten buden des bischofs
    1500 TrierArch. 4 (1900) Beil. 24
  • ab sy der stollnn trewget [trocknet] so sol man dem stollnn dÿenen mit dem sibentn 
    1503 SchemnitzStBR. 119
  • were sach das freuell im hinderwalt fielen, vff dem hawwege, wanne ire gn. hern von Sp. den freuell haben, so sollen die den den wildgrauen wie den sibenden theilen
    1510 Hunsrück/GrW. II 139
  • weist der scheffen allen medum den armen leuten, vnd vnserm hernn dass siebent daraus, wanne ess gewonden wird
    1547 Untermosel/GrW. II 450
  • sol man keine früchten im feldt vor daß erst inbinden, sonder die zehender undt siebenter zu besuchen, den zehenen und siebendt zu geben. item darnach ... solt derjenig, so gebindt, den zehender und siebenter dreymahl ruffen, ihr siebent und zehenen zu geben
    1557 LuxembW.(Majerus) I 422
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