Spießrecht, n.

milit. Strafgericht bzw. -verfahren, das von den gemeinen Landsknechten als Kameradengericht ausgeübt wird; dem verurteilten Soldaten droht die Hinrichtung durch die Landsknechte, die mit gezückten ¹Spießen (I) eine Gasse bilden, durch welche der Delinquent schreiten muss, während auf ihn eingestochen wird, bis er zu Tode kommt; auch: Bezeichnung für diese Art der Hinrichtung
Sachhinweis: ZRG.² Germ. 25 (1904) 52ff.; HRG.¹ IV 1769
  • ein sogenanntes spießrecht ... gehalten worden; wobey drey mann vor recht und vor die langen spieße gestellet und zwein davon wirklich durch die spieße gejaget worden
    1547 KasselKdm. VI 1 S. 64
  • [Übschr.:] das spiesz recht - judicium hastatum criminale
    1671 Schottel,SingJur. 503 Faksimile
  • judicium criminale nennen wir teutsche insgemein zwar malefiz-recht, ist aber doch dreyerley, als das, so proprie malefitz genennet, darnach das stand-recht und letzlich das spieß-recht
    1689 v.Frauenholz,Heerw. III 1 S. 26
  • von dem bey dem alten teutschen kriegs-volcke gewoͤhnlichen spieß-rechte gedencken, ... wenn ein feldherr zu felde gezogen, so hat er dem gemeinen kriegs-volcke das recht zu administriren uͤbergeben und befohlen, das ubel, wodurch einer wider ... das gantze regiment gefrevelt, selbst mit den langen spissen zu straffen
    1723 Lünig,CJMilit. 1414 Faksimile
  • wenn das spießrecht beschlossen, muste es dem gefangenen und soldaten bekannt gemacht werden. es wurden hierauf gassen gemacht
    1762 Hellfeld IV 2433 Faksimile
  • spiesrecht: war bey den alten ein feyerliches kriegsgerichte, da der missethaͤter nach vorgegangner kurzer untersuchung und verurtheilung mit spiessen durchstochen und getoͤdtet wurde
    1762 Wiesand 999 Faksimile
  • [besondere kriegesstrafen:] das spießen oder spießrecht
    1771 Zincke,KriegsRGel. 57 Faksimile